Online Geld verdienen – Offline leben

… Gedanken eines Lifestyle Unternehmers

Mediendiät

Januar15

Seit genau einem Jahr verzichte ich nun beinahe komplett auf den Konsum von klassischen Medien. Mich störten einige Dinge gewaltig, und anstatt tatenlos zuzusehen, habe ich die Flucht nach vorne angetreten: heraus kam meine Mediendiät, die ich in den folgenden Zeilen beschreiben möchte.
In meiner Betrachtung des zeitlichen Faktors der Happy-Matrix habe ich darüber geschrieben, dass die meisten Deutschen ihre Freizeit zu einem Großteil mit Medienkonsum verbringen. Nachrichten, Zeitung – all das war auch für mich ein enormer Zeitfresser, der mir, gemessen am Output – kaum einen Mehrwert lieferte.
Der Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte, war eine Reise nach Israel. Ich bekam E-Mails und SMS von Freunden ob ich noch lebte. Dabei hatte ich sowohl mit Israelis als auch mit Palästinensern eine einmalig schöne Zeit – und mir wurde klar, wie verschoben unser Bild der Welt doch war!
Das, worüber die Medien berichten, wird in unseren Köpfen Realität. In den Nachrichten kommen dauernd Berichte über Unruhen und Anschläge, und wenn man es sich recht überlegt dominieren Israel, Palästina, Afghanistan und der Irak unsere Berichterstattung.

Also beschloss ich, eine Mediendiät durchzuführen. Dies beinhaltete:

  • keine Zeitung
  • keine Nachrichten in Radio und Fernsehen
  • keine seichte Unterhaltung wie Talkshows oder Musiksender
  • keine Nachrichtenseiten im Internet

Anstatt des Radios läuft bei mir zuhause nun Musik, der Fernseher ist die meiste Zeit aus – wenn er läuft dann sehe ich meist Reisereportagen. Ich lese einmal die Woche den Spiegel, spare aber alles aus, was mit Politik und Meinungsmache zu tun hat. So picke ich mir ein paar Artikel raus – und genieße die gute Schreibe von einigen der besten Journalisten Deutschlands. Vor Reisen oder wenn mich ein Thema wirklich interessiert, bilde ich mich vor allem durch Bücher oder durch Gespräche mit Leuten, die wirklich was zu sagen haben.

Mein Studium der Kommunikationswissenschaften hat mir das Handwerkszeug mit auf den Weg gegeben, relativ einfach hinter die Fassaden der Medienlandschaft zu blicken. Ich möchte hier nicht zu theoretisch werden – aber man muss eh keine wissenschaftliche Ausbildung haben, um folgende Aussage unterschreiben zu können:

  • Wie der Name schon sagt sind Medienunternehmen Unternehmen, haben also in der Regel eine gewinn-maximierende Ausrichtung, wobei der Fokus auf Werbung als Haupteinnahmequelle liegt. Dies beeinflusst wiederum maßgeblich die Auswahl der zu veröffentlichten Materialen.
  • Aufgrund des wirtschaftlichen Drucks in der Medienlandschaft können es sich die Medienunternehmen nicht leisten, an allen möglichen Stellen Reporter zu unterhalten, was dazu führte, dass nur noch ein fünftel aller Beiträge in Zeitungen selbst recherchiert sind: Der Rest wird leicht redigiert, also größtenteils ungefiltert von anderen Quellen übernommen: von Nachrichtenagenturen oder Pressemitteilungen von Unternehmen, Parteien oder der Regierung.
  • Zudem sind die Medien nicht so unabhängig, wie uns immer glaubhaft gemacht wird. Die Politik mischt sich in Äußerungen und Berichte von Journalisten ein und zwingt diese zu Korrekturen. Die Wirtschaft nutzt Werbeetats und Anzeigenbudgets um teilweise eine positive Berichterstattung zu erzwingen. Schließlich sind die Medien diejenigen, die die öffentliche Meinung bilden. Die PR ist eine Milliardenindustrie.
  • In Deutschland, aber auch in den übrigen westlichen Gesellschaften sind die großen, meinungsmachenden Medien seit Anfang des letzten Jahrhunderts im Besitz von einer handvoll Leuten. Den Konsumenten wird eine breite, unabhängige Medienlandschaft vorgegaukelt, in deren Hintergrund jedoch von einigen wenigen Unternehmen die Fäden gezogen werden, um uns gezielt zu beeinflussen.

All dies lies mich den Medien  immer schon kritisch gegenüber treten. Was mich aber wirklich störte, war der negative Beigeschmack, den ich beim Medienkonsum serviert bekam. Kein Tag ohne Hunderte von Toten und Verletzten, Terror-Panikmache und Einschüchterung. Warum soll uns Tag täglich weiß gemacht werden, dass wir in einer schlechten Welt leben? Was soll diese Einschüchterung?
Negativität in den Nachrichten bezeichnet man in der Kommunikationswissenschaft als einen sogenannter Nachrichtenwert. Ein Nachrichtenwert ist ein Einflussfaktor der entscheidet, ob eine Nachricht es wert ist, veröffentlicht zu werden oder nicht. Und da negative Nachrichten eher den Ängsten und Erwartungen der Leser und Zuschauer entsprechen, als gute Nachrichten, schaffen Sie es vermehrt durch den Filter. Wissenschaftliche Theorien hin oder her – ich möchte hier keinesfalls die langjährige Arbeit der Soziologen und Kommunikationswissenschaflter in Frage stellen. Ich kann nur von meinem ganz persönlichen Gefühl sprechen – und das sagte mir, nicht mehr im Strom der Meinungsmache mitzuschwimmen und der hirnlosen Unterhaltung sowie der vielen schlechten Nachrichten zu entsagen.

Wie hat sich die Mediendiät auf mich ausgewirkt? Bin ich ein ignoranter, weltfremder, völlig verblödeter Aussteiger geworden, der nicht mehr mitreden kann?

Eine Mediendiät heißt nicht, sich den Geschehnissen auf der Welt zu versperren. Ich konsumiere nur AKTIV keine Nachrichten mehr. Wenn es ein wirklich wichtiges Ereignis durch diesen Filter schafft, setze ich mich mit ihm auseinander, besorge mir die wichtigen Hintergrundinformation und bilde mir meine eigene Meinung.

Ich halte meine Diät nun seit über einem Jahr durch, genau genommen genieße ich Sie. Es ist fast erschreckend einen solchen Schritt zu wagen, aber mir fehlt rein gar nichts! Ich habe mehr Zeit, weniger Sorgen und führe weniger sinnlose Gespräche. Neben meiner Selbständigkeit  und dem Sport war die Mediendiät die Sache, die mich 2009 am meisten voran gebracht hat.
Wer sich weiter mit der Materie auseinander setzen möchte, dem sei Noam Chomsky ans Herz gelegt, besonders sein Buch: Thought Control in a Democratic Society bringt einem ungeahnte Einsichten in die Welt der Manipulation.

gespeichert unter: Act outside the box

Email wird natrlich nicht ver&oouml;ffentlicht

Bsp. fr eine Website

Dein Kommentar:


Web Analytics